Analyse der Fraport-Aktie



Letze Änderung: 2.11.2007

Schreckensmeldungen

Da sich in letzter Zeit die Schreckensmeldungen für Fraport häufen, die auf eine künftig geringere Bedeutung des Frankfurter Flughafens schließen lassen oder Auswirkungen auf andere Geschäfte haben, hier eine Auswahl:

Lufthansa lehnt russisches Drehkreuz ab (2.11.2007); dem Artikel kann man entnehmen, dass Lufthansa Cargo ein Frachtdrehkreuz in Kasachstan betreibt. Der Gedanke ist nicht abwegig, dass längerfristig auch die Errichtung eines Passagierdrehkreuzes in Kasachstan geplant wird. Kasachstan liegt optimal zwischen Europa und Asien – viel besser als Dubai. Und Bau und Betrieb eines Drehkreuzes in der Wüste sind viel günstiger als des exorbitant teuren Frankfurter Flughafens.

Mit Reisezügen braucht man übrigens ca. 3 Tage bis Astana, ein Güterzug würde vielleicht 4-5 benötigen. Das wäre doch auch eine Transportmöglichkeit: Von Fernost bis Astana mit dem Flieger, Restweg auf der Schiene. Wäre für viele Kunden schnell genug.

Lufthansa setzt Wachstum in Düsseldorf fort (15.8.2007); tatsächlich Stationierung von 3 A340-300 für Flüge nach New York, Chicago und Toronto

Airlines rangeln um Standort (16.7.2007); Lufthansa will mit 3 A330 von Düsseldorf aus Langstreckenverkehr betreiben.

Flughafen Frankfurt: Starkes Wachstum im ersten Halbjahr (12.7.2007); es ist mutig, ein mäßiges Passagierwachstum von 2,5% im Halbjahr und 0,1% im Juni - Werte, die niedriger als die der meisten anderen deutschen Flughäfen liegen - als stark zu bezeichnen. Und sie bleiben auch weit hinter der Prognose von 4,7% p.a. von 2005-2010 (siehe Gutachten G8 aus PFV-Unterlagen) zurück und bestätigen damit die These, dass das Luftverkehrswachstum unabhängig vom Ausbau an Frankfurt vorbeigeht.

Bahn sehr zufrieden mit neuer Verbindung Paris-Frankfurt (11.7.2007), Paris – Frankfurt ist eine der wichtigsten Relationen für Fraport

Air Berlin ordert Langstreckenjets (8.7.2009); B787, die mit 2,5 l/ 100 Sitzplatzkilometer sparsamer als der A380 sind und wohl kaum von Frankfurt aus eingesetzt werden. Bei diesem Verbrauch lohnt sich ein Drehkreuzsystem mit dem A380 nicht mehr – vielmehr zeichnet sich ab, dass künftig Direktverbindungen nicht nur attraktiver, sondern auch kostengünstiger sind.

Blackstone kauft Hilton (4.7.2007); keine gute Nachricht für Fraport, da hier Wissen über Sicherheitsprobleme der NW-Bahn des früheren mittelbaren Ticona-Eigentümers Blackstone an den Airrail-Mieter Hilton fließen könnte.

Düsseldorf will Drehkreuz werden (2.7.2007); aufgrund der Erhöhung der zulässigen Bewegungszahlen haben sie freie Slots

Für 10 Euro über den großen Teich (30.6.2007); Billigflieger erwägen Langstreckenflüge ab anderen deutschen Flughäfen

Jet Airways will Deutschland mit Indien verbinden (15.6.2007); über Brüssel, ein Flughafen, der als Hub knzipiert, aber derzeit nicht genutzt wird

Lufthansa plant neue Langstrecken (11.6.2007); mutmaßlich ab Hamburg, Berlin und Düsseldorf

Für 10 Euro nach New York (12.4.2007); mit Ryanair

Air Berlin kauft die LTU (27.3.2007); damit wird das Mittelstreckenangebot von Air Berlin mit dem Langstreckenangebot von LTU verbunden. Schwerpunkte: Düsseldorf, Berlin, Nürnberg.

EU und Amerika einig über „Open Skies“ (22.3.2007); damit steht es grundsätzlich allen Fluggesellschaften frei, Verbindungen von allen europäischen zu allen US-amerikanischen Flughäfen einzurichten



Zu der Diskussion über die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Billigflieger auf Interkontinentalstrecken merken wir an, dass die Netzwerkgesellschaften in ihren Heimatländern oft Mondpreise verlangen, mit denen sie Zubringerflüge quersubventionieren. Verzicht auf Zubringerflüge und kostenorientierte Preisgestaltung für Direktflugangebote ist somit ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell für Billigflieger.



Eine einzige tägliche Langstreckenverbindung mit einem mittelgroßen Flugzeug (A330) von einem anderen Flughafen kann die Fraport ca. 200000 – 300000 Passagiere jährlich kosten, da nicht nur die Passagiere auf der Langstrecke selbst entfallen, sondern auch Zubringerpassagiere



Auf der Hauptversammlung am 30.5. wurde deutlich, dass die Fraport erhebliche Risiken beim Vorantreiben des Ausbauprojekts eingeht; ohne dass Rechtssicherheit besteht, tätig sie teure Investitionen. Auf Rückfrage räumte der Vorstand ein, dass bei einer gerichtlichen Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses im Jahre 2009 oder 2010 ein Sonderabschreibungsbedarf von ca. 1,4 Mrd. Euro entstehe.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass selbst ein solches Desaster keinen Einfluss auf die vertragliche Vorstandsvergütung hätte. Kriterien für den leistungsabhängigen Teil der Vergütung sind Erreichen der Umsatzziele und der EBITDA-Ziele (Erträge vor Zinsen, Steuern, Abschreibung und Amortisation) – Sonderabschreibungen beeinflussen diese Kenngrößen nicht! Es bestehen somit nur geringe Anreize für den Vorstand, den Ertrag zu steigern – das Anreizsystem ist auf womöglich verlustbringendes Wachstum ausgerichtet.



Es gibt etliche erhebliche Risiken, die gegen die Fraport sprechen; da das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis mit ca. 28 in Relation zum Risiko extrem hoch ist, muss man mittelfristig mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Performance rechnen.

Dass die Fraport eine riskante Anlage ist, zeigt u.a. die labile Kurssituation. Diese Labilität ist ausgeprägt sichtbar in der XETRA-Kursentwicklung am 28.2.2007


Quelle. DAB

Unmittelbar nach Eröffnung sank der Kurs um 17% auf 53,00 €; die Aktie wurde dann 15 Minuten lang nicht gehandelt. Danach stieg der Kurs wieder auf über 60,00 € - vielleicht, weil man Kursstützer gefunden hat?

Der Kursverlauf der letzten Monate wurde nicht von Aktionären bestimmt, die in der Hoffnung auf gute Erträge die Aktie gekauft haben; vielmehr hat die Lufthansa aus dem Interesse heraus, die Geschäftspolitik der Fraport beeinflussen zu können, einen größeren Anteil erworben, ohne dass dabei die unmittelbaren Ertragserwartungen maßgeblich waren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob zur Finanzierung des milliardenteuren Ausbaus eine Kapitalerhöhung notwendig ist. Bei einem hohen Kurs wird für einen gegebenen Emissionserlös die Position der derzeitigen Mehrheitseigner weniger geschwächt; es liegt somit in ihrem Interesse, Kurspflege zu betreiben. Für die Annahme einer anstehenden Kapitalerhöhung spricht auch, dass die Fraport angekündigt hat, dass die Hauptversammlung über den Ankauf der Ticona entscheiden soll. Dies ist eigentlich nicht notwendig, ist aber plausibel im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung.



Es gibt eine ganze Reihe fundamentaler Probleme:



Fazit: Die Fraport-Aktie ist eine hochspekulative Anlage, deren jetzige und künftige Erträge das derzeitige Kursniveau nicht rechtfertigen.