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Auf der langen Abflugroute dröhnen die Jumbos

Manche sind über Fechenheim noch keine 1000 Meter hoch / Nächtlicher Lärm in Bergen-Enkheim über dem Limit

Die Abflugrouten im Taunus müssen überarbeitet werden. Das
Urteil des hessischen Verwaltungsgerichtshofs hat die Diskussion um die Luftstraßen
über Deutschlands größtem Airport neu entfacht. Bis zu 360 Maschinen fliegen
täglich auch über bewohntes Frankfurter Stadtgebiet - und sind besonders
beim Start häufig laut. Manche Jets sind selbst in Bockenheim oder Fechenheim
noch keine 1000 Meter hoch.

Von Wolfgang Schubert


Wenn der Wind
von Westen kommt und die Flugzeuge aus Richtung Offenbach zur Landung ansetzen
oder Richtung Raunheim/Rüsselsheim abheben, spielt der Fluglärm im Stadtgebiet
keine große Rolle. Starts über Frankfurter Gebiet gibt es gar keine, die
flughafennahen Stadtteile Niederrad, Sachsenhausen oder Oberrad werden nicht
überflogen. Nur nördlich des Mains tauchen pro Tag durchschnittlich 220 Maschinen
auf dem so genannten nördlichen Gegenanflug auf. Sie werden von den Lotsen
zwischen Zeilsheim im Westen und Bergen-Enkheim im Osten im Sinkflug auf
einer Höhe von etwa 6000 bis 4000 Fuß geführt und veranlassen nur in wenigen
Fällen Anwohner - meist im Bereich von Bergen - zu Lärmbeschwerden.
Kommt der Wind aus Osten - dies ist etwa 25 Prozent des Jahres der Fall
- überfliegen im Schnitt 150 Jets am Tag das Stadtgebiet nördlich des Mains
Richtung Rhein. Im Frankfurter Osten sowie über der Innenstadt beträgt die
Flughöhe nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) dann mindestens 8000
Fuß oder circa 2400 Meter.
Startende Maschinen werden auf zwei unterschiedlichen Routen über dicht
bewohnte Stadtteile gelenkt. Die so genannte kurze Abflugstrecke führt über
Niederrad, Gutleut, Gallus und Praunheim direkt nach Norden. Wegen zahlreicher
Krankenhäuser im Einzugsbereich darf die Route nur zwischen 7 und 22 Uhr
von Kurz- und Mittelstreckenmaschinen genutzt werden. Die lange Abflugstrecke,
die vor allem für Langstreckenflüge und damit für schwere und laute Jets
genutzt wird, führt über Oberrad, Ostend, Fechenheim, Riederwald und Bergen-Enkheim
nach Nordwesten.
Nach einer Aufstellung des städtischen Umweltamtes werden bei Ostbetrieb
pro Tag durchschnittlich 127 Maschinen über die lange Strecke geschickt,
21 davon während der Nacht. Die kurze Abflugstrecke wird im Durchschnitt
täglich von 79 Maschinen genutzt.
Die Abflugroute
- siehe Grafik - ist als 3,6 Kilometer breiter Korridor dargestellt. Die
meisten Flugzeuge können dank modernster Bordcomputer die Ideallinie in der
Mitte des Korridors halten. Das Steigvermögen der Jets ist abhängig vom Typ,
Gewicht, Wind und Temperatur. "Der größte Teil der startenden Maschinen befand
sich kurz nach dem Abheben bereits in einem Höhenband von 3000 bis 5000 Fuß
(914 bis 1524 Meter)", beschreibt das Umweltamt am Beispiel zweier typischer
Verkehrstage - 1. Juli 2002 und 12. September 2002 - die Situation. Allerdings:
Von 106 Maschinen auf der langen Abflugstrecke hatten immerhin 15 über Oberrad
noch nicht einmal 1000 Fuß erreicht und schafften zehn davon erst in Fechenheim
die 1000-Meter-Marke. Auf der kurzen Strecke befanden sich 25 von insgesamt
79 Flugzeugen über Niederrad noch im Höhenband zwischen 0 und 3000 Fuß. Drei
Passagiermaschinen erreichten die Höhe von 914 Metern nach Angaben des Umweltamtes
erst in Bockenheim. Obwohl Bergen-Enkheim relativ weit vom Flughafen entfernt
liegt, ist der Stadtteil vom Fluglärm auf der langen Abflugroute nicht unerheblich
betroffen. Davon konnten sich kürzlich Ulrich Brier und andere Mitglieder
der "Bürgerinitiative gegen unnötigen Fluglärm Bergen-Enkheim" im Umweltamt
überzeugen. Dort erhielten sie Einblick in die noch nicht veröffentlichten
Ergebnisse einer von Juli bis Oktober vergangenen Jahres durchgeführten Lärmmessung,
bei der 5900 Starts und Landungen erfasst wurden. Die Kernaussage: "Der von
der Mediation für die Nacht empfohlene Maximalpegel von 67 dB(A) wurde sowohl
durch startende als auch landende Flugzeuge überschritten. In zwei Fällen
wurde nachts durch zwei Galaxys im Gegenanflug sogar der Wert von 85 dB(A)
überschritten."
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[ document info ] Copyright © Frankfurter Rundschau 2003 Dokument erstellt am 14.02.2003 um 00:01:18 Uhr
Erscheinungsdatum 14.02.2003 | Ausgabe: R | Seite: 28
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